Der Wert entsteht durch Nachhaltigkeit

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Das Gebäude in der Via Fatebenefratelli 14 in Mailand wurde in den vierziger Jahren erbaut und erlebte eine Umnutzung von Wohn- zu Gewerbezwecken. Die energetische Sanierung wurde nach dem LEED-Standard Building Design and Construction – Core & Shell durchgeführt und erreichte die Zertifizierungsstufe Platinum. Ein Best-Practice-Beispiel, bei dem Nachhaltigkeit ein zentrales Element der Strategie zur Neupositionierung der Immobilie auf dem Büromarkt war.

Die drei Elemente, auf denen das Projekt der Fassade in der Via Fatebenefratelli basiert, sind die Personalisierung und Erneuerung des Eingangs- und Sockelbereichs, die neue szenische Präsenz der Fenster und Balkone sowie die Neuinterpretation der Materialien, Dekore und Farben.
Der Eingang zeichnet sich durch die Verbreiterung des bestehenden Portals aus, die durch ein auskragendes Glasvordach betont wird. Diese neue Lösung ermöglicht eine unmittelbare Wahrnehmung der Gebäudetiefe und vermittelt den Eindruck eines einladenden Foyers.

Die Helligkeit und die neue Räumlichkeit der Lobby wurden auch durch die Verlegung des leistungsstarken Feinsteinzeugs SistemN Bianco von Marazzi erreicht, eine Oberfläche, die auch die Aufzugsbereiche definiert hat,

Aus Sicht der Aufwertung des Gebäudes war der bedeutendste Eingriff sicherlich das Redesign der Dachfläche und ihre erneute Nutzung durch einen verglasten Baukörper und eine Terrasse, die einen beneidenswerten Blick über die Stadt ermöglichen. Die erhöhten Böden des Rooftops wurden mit dem zementartigen Feinsteinzeug Plaster20 Grey, ebenfalls von Marazzi, verkleidet, das mit seiner Stärke von 20 mm auch eine Trockenverlegung im Außenbereich sowie Abriebfestigkeit, Frostbeständigkeit und Rutschhemmung ermöglicht – ideal für stark frequentierte Räume.

Der Bericht über die Renovierungsarbeiten am Gebäude Fatebenefratelli22 in Mailand war eine Gelegenheit, einige strategische Themen der nachhaltigen Planung mit Carmen Spagnoli, Ingenieurin und Nachhaltigkeitsleiterin des Planungsbüros Lombardini22, zu vertiefen.

Vom Energiesparen zum Wohlbefinden der Menschen: Wie hat sich das Nachhaltigkeitsparadigma im Projekt verändert?

Die Erfahrung der Pandemie stellte einen Wendepunkt dar und rückte neue Prioritäten in Bezug auf die Lebensqualität der Räume in den Vordergrund, wodurch ein Konzept von Raum gefördert wurde, das stärker auf Wohlbefinden und Prävention achtet. In diesem Kontext hat die WELL-Zertifizierung eine immer zentralere Rolle eingenommen, da sie strukturierte Themen wie Luft-, Licht- und Wasserqualität, Akustik und psychologischen Komfort behandelt und damit neue Standards für die Räume definiert, in denen wir leben und arbeiten.

Bau und urbaner Kontext: An welchen Themen arbeiten Sie, um den Charakter des Gebäudes zu definieren?

Um den Charakter eines Gebäudes zu bestimmen, arbeiten wir auf verschiedenen, eng miteinander verbundenen Entwurfsebenen. Ein zentrales Thema ist das Verhältnis zum städtischen Kontext, insbesondere wenn man in einem historisch gewachsenen Gefüge tätig ist. In diesen Fällen ist es grundlegend, einen ausgewogenen Dialog mit der vorhandenen Bausubstanz herzustellen, indem Maßstab, Proportionen, Materialien und die architektonische Identität des Ortes respektiert werden. Ziel ist es nicht, das Bestehende zu imitieren, sondern eine Harmonie zu schaffen, die sowohl das Neue als auch das Vorhandene aufwertet.

Parallel dazu nutzen wir Instrumente der parametrischen Analyse, um die spezifischen Umweltbedingungen des Standorts zu untersuchen. Wir bewerten die Sonneneinstrahlung, die natürliche Verschattung, die Belüftung und das Mikroklima der Stadt, um das Gebäude korrekt auszurichten, die Form zu optimieren und passive Strategien zu entwickeln, die den thermischen und visuellen Komfort der Räume verbessern.

Auch die Materialauswahl wird von ökologischen und funktionalen Kriterien geleitet, wobei langlebige, recycelbare und ressourcenschonende Lösungen bevorzugt werden, stets in Bezug auf die Eigenschaften des jeweiligen Kontexts. Die haustechnischen Strategien werden schließlich von Anfang an integriert, um Effizienz zu gewährleisten, den Verbrauch zu senken und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu maximieren.

Zusammen tragen diese Elemente dazu bei, eine Architektur zu schaffen, die sich maßvoll und stimmig in den urbanen Kontext einfügt und ökologische Nachhaltigkeit mit der Qualität des gebauten Raums verbindet.

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Keramik: Ein Material, das eine hohe Rückgewinnung des Rohstoffs ermöglicht und gleichzeitig Hygiene und Langlebigkeit garantiert. Wie wählen Sie die Oberflächen aus und was fasziniert Sie an diesem Material?

Keramik ist ein Material, das funktionale Eigenschaften – wie Widerstandsfähigkeit, Hygiene und Haltbarkeit – effektiv mit einer großen gestalterischen Vielseitigkeit kombiniert, die sich an verschiedene architektonische Ausdrucksweisen anpassen kann, vom Zeitgenössischen bis hin zum Dialog mit historischen Kontexten.

Ein Aspekt, der Keramik heute besonders interessant macht, ist auch ihre Umweltwirkung, die durch die Analyse des Lebenszyklus bewertet werden kann. In den Anfangsphasen der LCA-Analyse – A1, A2 und A3 – weist sie mehrere Stärken auf: Sie verwendet natürliche Rohstoffe, enthält einen Anteil an vor dem Verbrauch recyceltem Material, verfügt über eine konsolidierte Produktionskette, die den Transport optimiert, und hat in den letzten Jahren bedeutende Verbesserungen in den industriellen Prozessen erzielt, insbesondere hinsichtlich Energieeffizienz, Abfallreduzierung und Rückgewinnung der Prozesswärme.

Diese Faktoren tragen bereits in den ersten Phasen des Lebenszyklus zur Reduzierung der Umweltbelastung bei, wodurch Keramik eine stimmige Wahl für einen nachhaltig ausgerichteten Planungsansatz darstellt, ohne auf ästhetische und funktionale Qualität des Materials zu verzichten.

Keramik in Innenräumen und in der Fassadengestaltung: Wie arbeiten Sie in diesen beiden unterschiedlichen Planungsbereichen? Nach welchen Kriterien wählen Sie die Materialien aus?

Der Einsatz von Keramik, sowohl im Innenbereich als auch für Fassaden, ist für uns Teil einer Bewertung, die das gesamte Gebäude umfasst, wobei der Lebenszyklus des Materials ein ständiger Bezugspunkt ist. Uns ist es wichtig, mit Materialien zu arbeiten, die Langlebigkeit, geringe Wartungsanforderungen und eine gute Rückverfolgbarkeit der Produktionsprozesse verbinden. Keramik erfüllt diese Kriterien und stellt in beiden Anwendungsbereichen auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele eine solide Wahl dar – auch dank ihres wesentlichen Beitrags zu den Punktesystemen von LEED, WELL und BREEAM.

Für Innenräume berücksichtigen wir Aspekte wie Gesundheit, Verschleißfestigkeit und langfristige Stabilität, was zu einer geringeren Belastung durch Austausch und Wartung führt.
Im Außenbereich hingegen ist das Verhalten des Materials im Hinblick auf das städtische Mikroklima ein entscheidender Faktor. Insbesondere bevorzugen wir Oberflächen mit hellen Farben und hohen SRI-Werten (Solar Reflectance Index), die die Wärmeaufnahme reduzieren und zur Minderung des Wärmeinseleffekts beitragen.

Keramik ermöglicht es uns daher, technische und ökologische Leistungen zu vereinen und sich verschiedenen Einsatzbereichen anzupassen, ohne in Bezug auf die Projektziele an Kohärenz zu verlieren.

Nachhaltigkeit ist immer stärker mit dem Lebenszyklus von Materialien verbunden und steht auch im Mittelpunkt der Ecodesign-Richtlinie: Wie arbeiten Sie an diesem Aspekt?

Die auf den Lebenszyklus der Materialien bezogene Nachhaltigkeit ist heute auch auf gesetzlicher Ebene ein zentrales Kriterium, wie die neue Ecodesign-Richtlinie zeigt. In diesem Zusammenhang erweist sich Keramik als stimmig mit vielen geforderten Anforderungen: Sie ist langlebig, formstabil, enthält Recyclinganteile und wird in zunehmend energie- und umweltoptimierten Prozessen hergestellt.

Darüber hinaus verstärkt ihr Verhalten in der Nutzungsphase – inert, sicher und mit minimalem Wartungsbedarf – die Übereinstimmung mit einem qualitäts- und zirkularitätsorientierten Ansatz, wie er von der europäischen Gesetzgebung vorgesehen ist. Diese Kriterien berücksichtigen wir bereits bei der Materialauswahl, um bewusste und langfristige Entscheidungen zu gewährleisten.