Hommage an die schnellen Produktionslinien

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Gianni Berengo Gardin und Alessandra Mauro, die Kuratorin seiner Ausstellung, sprechen über die Fotos des Künstlers, die 1977 im Auftrag von Marazzi entstanden. Eine Reportage über das innovative Einbrandverfahren und eine experimentelle Auseinandersetzung mit Abstraktion und Farbfotografie

Im Jahr 1974 patentiert Marazzi den Einbrand. Dieses Verfahren revolutioniert durch die drastische Reduzierung der Durchlaufzeit und des Energieverbrauchs die industrielle Fliesenherstellung. Das Patent markiert nicht nur für das Unternehmen, sondern für die gesamte Branche einen Technologiesprung. So wie Marazzi zuvor mit Gio Ponti und danach mit den Künstlern der Designschmiede Il Crogiolo zusammenarbeitete, bedient sich der Hersteller auch hier der Kreativität internationaler Künstler, um einerseits anhand des keramischen Materials und andererseits anhand der Produktionsprozesse die Identität eines nicht nur dekorativen und funktionellen Produkts darzustellen. Im Jahr 1977 beauftragt das Unternehmen Gianni Berengo Gardin mit einer Reportage zu den neuen Produktionslinien und gewährt ihm dabei größte künstlerische Freiheit. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des bahnbrechenden Patents veranstaltet Marazzi die Ausstellung Gianni Berengo Gardin. Marazzi, le linee veloci im Palazzo Ducale Sassuolo – Gallerie Estensi. Sie zeigt eine Auswahl bisher unveröffentlichter Werke des Meisterfotografen, der mit Abstraktion und Farbfotografie ein Terrain betritt, das künstlerisches Neuland für ihn darstellt.

„Ich erinnere mich nur noch verschwommen an diese Episode“, erzählt Gianni Berengo Gardin. „Doch ich habe nicht vergessen, dass ich von den Farben und der Geschwindigkeit der Maschinen fasziniert war. Obwohl ich eigentlich für Schwarz-Weiß-Reportagen und Industriefotografie, beispielsweise für Olivetti, FIAT und Ansaldo, bekannt war, hatte ich zum Glück Farbfilme mitgebracht. Mit Marazzi hatte ich eine der schönsten Arbeitsbeziehungen, was die Freiheit bei der Auswahl der darzustellenden Situationen anbelangt. So habe ich Fotos gemacht, die von meinem üblichen Schaffen abwichen. Sie waren konzeptuell und abstrakt, was die Industrie normalerweise nicht möchte, da Maschinen und Produktionsprozess nicht deutlich herüberkommen. Für mich war es eine Arbeit außerhalb der gewohnten Bahnen. Dank der Farbe konnte die eigentliche Qualität der Keramik zum Vorschein kommen.“

Alessandra Mauro, Kuratorin der Ausstellung, fügt hinzu: „Die Fotos für Marazzi belegen die Wandlungsfähigkeit von Gianni Berengo Gardin und seine Fähigkeit, Dinge mit einem anderen Blick zu sehen. Es sind abstrakte, dynamische Werke über die Arbeit und die Technologien im Wandel.“ Sie fügen sich dennoch in die fotografischen Themen von Berengo Gardin, der „häufig mit privaten Auftraggebern und Unternehmen für Reportagen zur Industrie und zu sozialen Notständen arbeitete. Die Ausstellung und der Fotoband mit den Fotos für Marazzi sind eine Gedächtnisspur.“ Wie Berengo Gardin von den schnellen Produktionsanlagen beeindruckt war, so soll die Gestaltung der Ausstellung im Herzogspalast in Sassuolo mit der Abfolge aneinander gereihter Foto den Eindruck von schnellen Linien vermitteln, die mit der Geschwindigkeit des Transportbands laufen.

„Ich dokumentiere das Leben des Menschen unter den verschiedensten Aspekten, zu Hause, bei der Arbeit, in der Landschaft“, sagt Berengo Gardin. „Doch niemals geht es um das Porträt seiner selbst willen. Sondern immer darum, das Umfeld darzustellen, in dem die Tätigkeit erfolgt. Es sind keine künstlerischen Fotos, sondern Reportagefotos, die in zweihundert Jahren, wenn wir nicht mehr sein werden, Zeugnis über eine Kultur ablegen. Ein Foto soll nicht nur schön sein, sondern es muss etwas aussagen. Sonst ist man nur ein Amateurfotograf.“

„Gianni Berengo Gardin wusste die schnellen Einbrandlinien und die bahnbrechende Bedeutung dieses Verfahrens auf den Punkt zu bringen“, kommentiert Leonardo Taviani, Generaldirektor von Marazzi. „Diese Arbeit ist ein Paradebeispiel für die Zusammenarbeit von Marazzi mit Künstlern und Planern, die einen Brückenschlag zwischen Keramik und anderen Bereichen darstellt. Es ist auch wichtig, dass die Ausstellung in Sassuolo stattfindet, wo sich etliche Fliesenhersteller angesiedelt haben und Marazzi im Jahr 1935 gegründet wurde. Darauf beruht die enge Beziehung zu den Wahrzeichen der Stadt – wie dem Herzogspalast und dem soeben mit Unterstützung unseres Unternehmens restaurierten Campanone (wie der Uhrturm in Sassuolo genannt wird) – sowie unser stetiges Engagement für ihre kulturellen Erfordernisse.“

Gianni Berengo Gardin.
Marazzi, le linee veloci
Kuratiert von Alessandra Mauro

13. September – 31. Dezember 2024
Gallerie Estensi – Palazzo Ducale Sassuolo
Piazzale della Rosa 10
Sassuolo, Modena

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