Metamorfuoco und die Allegorie des menschlichen Unvermögens

Die Installation von Simon Starling stellt einen Zusammenhang her zwischen Tintorettos Gemäldezyklus und Xylografien und zeitgenössischen Werken, als Anregung, über die Auswirkungen des Klimawandels nachzudenken. Ein wichtiger Bestandteil des Werks ist der spezielle Bodenbelag, welcher von Marazzi nach einem Entwurf des Künstlers realisiert wurde.

Nach der Ausstellung von Luigi Ghirri ist Marazzi erneut an einem bedeutenden Kulturprojekt beteiligt. Ausgehend von dem Gemäldezyklus von Tintoretto in der Galleria Estense und den Xylografien in der Biblioteca Estense, nimmt die Installation von Simon Starling die Besucherinnen und Besucher mit auf eine eindrückliche und prophetische Erfahrung: die derzeitige Trockenheit und allgemeiner die Auswirkungen des Klimawandels, der hier zur Allegorie auf die moderne Welt und eine Technik wird, die das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt.

Simon Starling (1967), ein herausragender Künstler der britischen und internationalen Kunstszene, hat den Gemäldezyklus Der Sturz des Phaeton von Tintoretto (1518-1594), der an Ovids Metamorphosen inspiriert ist, an der Decke angebracht und vermittelt so dem Besucher eine völlig neuartigen Sichtweise, bei der der Sohn der Sonne vom Himmel hinab stürzt. Das Feuer auf dem Gemäldes wird zu einem ambivalenten Symbol für die Fähigkeit zum Wandel und die Gefahr von Zerstörung. „Der Phaethon-Mythos hat in der Gegenwart einen tiefen Sinn, er ist eine Art Prophezeiung“, erklärt der Künstler [Olga Gambari in den Lokalnachrichten zu Modena der Tageszeitung La Repubblica, 15. Oktober 2022]. „Phaeton glaubt, alles meistern zu können. Darunter auch den Sonnenwagen seines Vaters Apoll zu lenken, um den anderen seine göttliche Herkunft zu beweisen.“

Unten befindet sich ein großer Bodenbelag aus Keramik, der ad hoc von Marazzi realisiert wurde (mit Feinsteinzeugfliesen aus der Kollektion Mystone Limestone, Farbe Ivory) und der zusammen mit dem Himmel Elemente einer archaischen, hervorbrechenden Physik evoziert. Der Künstler hat die Keramik als eine weiße Leinwand genutzt, auf der er Naturelemente gezeichnet hat, die mit den Figuren aus Tintorettos Zyklus in einen Dialog treten. Es sind rund 60 Dekorationen auf quadratischen Platten, die alle unterschiedlich gestaltet sind und ein prächtiges, kunstvolles Muster erzeugen.

Die Installation tritt auch in einen Dialog mit einigen Illustrationen, die aus den Seiten der kostbaren Bände der Biblioteca Estense ausgewählt wurden, und mit weiteren Werken des Künstlers selbst. Die Besucherinnen und Besucher werden so eingeladen, in das suggestive Szenarium einzutauchen. „Der Fußboden stellt ein Labyrinth dar und fügt riesig vergrößerte Bildausschnitte von Holzschnitten aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu einer Collage aus Bäumen, Bränden und Rauchwolken zusammen, die an eine Metamorphose erinnert. Himmel und Erde flammen zu einem riesigen Feuer auf, das vor unseren Augen zu brennen scheint und Bilder heraufbeschwört, die leider inzwischen vertraut sind und den Notstand unseres Planeten und den Klimawandel aufzeigen. Das Projekt soll die aktuelle Lage historisch einordnen. […] Es ist eine Zeitreise durch unsere Verantwortlichkeiten.“

9 September – 31 Januar
Gallerie Estensi, Largo Porta S.Agostino 337
Modena