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Regenerierung des Territoriums und Raumgestaltung

Lesezeit: 7 Minuten

Regenerierung des Territoriums und Raumgestaltung
Interview mit
AMAA

AMAA

studio wok

studio wok

Beschleunigt durch die Pandemie entwickeln die Menschen ein stärkeres Bewusstsein für ihren Wohnraum und entwickeln eine neue Beziehung zu ihrem lokalen geographischen Umfeld. Wir sprechen mit AMAA und studio wok, zwei vielversprechenden jungen italienischen Architekturbüros, über die wichtigsten konzeptuellen Fragen der Raumgestaltung.

Was bedeutet es, ein Gebäude zu sanieren, wie kann man an die Geschichte des Territoriums anknüpfen und wie geht man die neuen, von der Pandemie aufgeworfenen Fragen zum Thema Wohnraum an. Darauf antworten zwei der vielversprechendsten jungen italienischen Architekturbüros: AMAA, Sieger im Wettbewerb Young Italian Architects 2020, und studio wok, Finalist des Preises Young Italian Architects der Biennale in Venedig 2012.

 

Wie lässt sich das Territorium in die Planung/Sanierung von Wohnraum einbeziehen?

studio wok (Marcello Bondavalli, Nicola Brenna, Carlo Alberto Tagliabue). Unsere Methoden und Konzepte sind handwerklicher Art. Bei der Konzeptionsarbeit für unsere Projekte schauen wir uns sorgfältig die physischen Eigenschaften des Projektstandorts an: die Landschaft, die charakteristischen Materialien, das Licht, die Atmosphäre. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist die Analyse der Materialien und die Auseinandersetzung mit den Handwerkern und lokalen Erzeugern. Wir möchten etwas über deren Qualität erfahren und die Materialeigenschaften anhand von Mustern kennenlernen. Was das Konzept der Sanierung betrifft, so ist unser Streben nach ökologischer Nachhaltigkeit nicht nur mit der Verwendung bestimmter technischer Geräte und Anlagen verbunden. Es ist vor allem ein konstruktiver Planungsprozess, der die spezifischen natürlichen Umweltaspekte jedes Ortes berücksichtigt und nutzt.

Die Pläne für unsere Gebäude sind einfach: Der Wohnraum wird durch Blöcke oder maßgefertigte Einrichtungselemente definiert, die mit Licht und Materialien spielen. Wir arbeiten sehr gerne mit Holz, Stein und farbigen Oberflächen. Wir setzen häufig Feinsteinzeug für die Beläge in den Badezimmern ein und spielen mit ihren Farben und dreidimensionalen Texturen.

Die Pandemie hat den Menschen den Stellenwert von Wohnraumgestaltung bewusster gemacht. Wird das Ihrer Meinung nach die Architektur verändern?

Da wir momentan viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, hat deren Qualität eine ungeahnte Bedeutung erreicht. Das moderne Wohnkonzept mit einem Open-Space und kleinen Schlafzimmern ist in der Krise: Auf ein Minimum reduzierte Zimmer und große offene Wohnräume machen das Arbeiten von Zuhause und die Organisation des Familienalltags äußerst schwierig. Wichtig ist für uns, flexible Wohnräume zu konzipieren, die im Verlauf des Tages für verschiedene Funktionen genutzt werden können.

Welche Analysen sind Ihr Ausgangspunkt für die Planung/Sanierung einer Wohnung oder eines Gebäudes?

AMAA (Marcello Galiotto und Alessandra Rampazzo). Architektur ist das Ergebnis eines komplexen Prozesses, der immer wieder anders verläuft und nicht linear ist. Er basiert auf kontinuierlicher kritischer Arbeit an den Projektoptionen und auf der primären Rolle der Idee. Über das Handeln wird versucht, eine Balance zwischen Theorie, Ordnung und Gesamtbild herzustellen.Die Theorie ist eine Synthese aus im Hintergrund vorhandenen Modellen und Bezügen. Die Ordnung ist die planerische Übertragung in einen Kontext, sie wird durch die Konstruktion gegenständlich. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die Projektidee bis zum Endergebnis zu bewahren.

Im Laufe der Jahre haben wir uns mit der Sanierung und Regenerierung von ehemaligen Industriegebäudenauseinandergesetzt. Unter unseren Projekten ist auch das unseres Büros in Arzignano (Vicenza), bei dem mit einer unabhängigen Kastenform Bezüge zu den vor Ort vorhandenen Geometrien und Materialien hergestellt wurden: Beton, Stahl, Trapezbleche und Glas. So ist eine schachtelförmige Struktur mit zwei Ebenen entstanden, die so ist, wie sie sich zeigt, und nichts vortäuscht. Bei der Sanierung eines historischen Gutshofs in Lonigo (Vicenza) manifestiert sich die Spannung zwischen Alt und Neu in einer Betontreppe, die nicht an den bestehenden Holzdachboden und die Steinmauern angeschlossen wurde. Für die Sanierung des Daches wurden Materialien wiederverwertet, die aus ähnlichen Gebäuden der Gegend stammen.

Die Pandemie hat den Menschen den Stellenwert von Wohnraum bewusster gemacht. Wird das Ihrer Meinung nach die Architektur verändern?

Wir glauben, dass sich alle durch die Pandemie bedingten Erscheinungen schnell verflüchtigen werden. Geschichte verläuft zyklisch, große Epidemien werden wieder vergessen und vom wiederaufblühenden Leben überdeckt. Und keines dieser tragischen Ereignisse hat zu Änderungen in der Raumgestaltung geführt. Der Eingangsbereich könnte aber zu einer Art historischem Gedächtnis werden, in dem sich die Spuren der sozialen Veränderungen zeigen. Der Eingang ist der Ort, wo wir unsere Gedanken und Sorgen ablegen, um uns im Innern der Wohnung zu entspannen. Ein zu Raum gewordener Moment der Transformation: Man schlüpft aus den Schuhen und wäscht sich die Hände, um den Schmutz der Außenwelt zu entfernen. Es ist ein Ort, wo Energien aktiviert und deaktiviert werden.