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Die bewusste Grenze zwischen natürlichen und künstlich hergestellten Materialien

Lesezeit: 6 Minuten

Die bewusste Grenze zwischen natürlichen und künstlich hergestellten Materialien
Studio Calvi Brambilla

Interview mit Studio Calvi Brambilla

Was repräsentiert „Natursteinoptik“ von Feinsteinzeug für einen Architekten oder Bauplaner? Und wie kann dieses Material jenseits der Verkleidung von Wänden und Böden eingesetzt werden? Darüber sprechen wir mit Fabio Calvi des Büros Calvi Brambilla, das 2006 in Mailand gegründet wurde und sich mit Einrichtungs- und Innenarchitekturprojekten für private Wohnbereiche, Büros und Geschäftsräume einen Namen gemacht hat.

Feinsteinzeug in Natursteinoptik erreicht heutzutage Leistungs- und Imitationsniveaus, die ihresgleichen suchen. Die modernen Druckverfahren Sublime Sync erlauben nicht nur die Reproduktion der Äderungen und charakteristischen Oberflächen der verschiedenen Lithotypen, sondern auch die Herstellung typischer Oberflächentexturen, z.B. Porosität, für echte haptische Wahrnehmungen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Produktion von Großformaten, die maßgerecht zugeschnitten werden können und somit äußerst flexibel einsetzbar sind, d.h. nicht nur zur Verkleidung von Wänden und Böden. Somit eröffnen sich ungeahnte neue Horizonte für die Umsetzung unzähliger Projekte.


Verwenden Sie gewöhnlich Materialien, die Naturstein nachahmen, oder sind Sie treue Anhänger der Materialien aus der Natur?

Hinsichtlich dieses Aspekts verstehen wir uns als „konfessionslos“. Wir verwenden sowohl Materialien aus der Natur als auch solche mit Naturstein- oder Holzoptik, da Letztere unbestreitbare Vorteile haben und uns das Leben als Architekten erheblich vereinfachen. Es sind Industrieprodukte, die bestimmte Standards erfüllen und Leistungen garantieren, sodass wir sie äußerst vielfältig einsetzen können. Beispielsweise haben wir sie in einer Villa, die wir gerade bauen, durchgehend innen, außen und um das Schwimmbecken verlegt und dabei die Formate den jeweils vorliegenden Bedingungen angepasst. Das Feinsteinzeug haben wir passgenau zugeschnitten, um Basisstrukturen für Säulen (Tori), Stufen, Winkel, Abflussgitter am Schwimmbecken usw. zu erstellen. Mit nur einem Material kann praktisch alles verkleidet und somit auch der Verschnitt reduziert werden.


Und in leistungsbezogener Hinsicht?

Dank des geringeren Gewichts kann Feinsteinzeug im Vergleich zu Naturstein leichter verlegt werden; zudem ist es temperaturbeständig und verformt sich deshalb nicht. In der Natur ist es praktisch unmöglich, ein derartig homogenes Material zu finden. Bezüglich der Verarbeitung können heute bei den Herstellern Stärken angefragt werden, die denen von Naturstein sehr nahe kommen und sogar die Äderungen naturgetreu wiedergeben. Im Einzelhandel werden mit Feinsteinzeug Bodenbeläge in Holzoptik erstellt, die für starken Publikumsverkehr ausgelegt sind; sie ersetzen die weniger dauerhaften Beläge aus Holz und bieten gleichzeitig deren visuelle Wärme. Die ästhetische Wirkung ist die gleiche. Im Objektbau-Sektor, der stets strengen Zeitvorgaben unterworfen ist, verschaffen diese Industriematerialien zeitliche Freiräume, da sie in den gewünschten Formaten und Stärken unmittelbar eingesetzt werden können. Von unserem Standpunkt aus darf es keine Konkurrenz zwischen echtem Naturstein und Feinsteinzeug in Natursteinoptik geben, da sich beide Materialien in gewisser Hinsicht ergänzen. Es ist dabei Aufgabe des Architekten oder Planers, den richtigen Ausgleich zu finden.


Welche alternativen Nutzungen können in Betracht gezogen werden?

Feinsteinzeug ist sehr vielseitig im Gebrauch und bezüglich der Abmessungen. Wir setzen es auch ein, um technische Probleme innerhalb der Projekte zu lösen. Um beim Beispiel der privaten Villa zu bleiben: Dort haben wir Feinsteinzeug verwendet, um die oberen „Reliefstreifen“ zwischen der Wand und der vorgefertigten Decke zu kreieren, die den Übergang zwischen den Elementen kennzeichnen. Die Großformate haben es uns ermöglicht, die Keramik maßgerecht zuzuschneiden. Wir können uns auch weniger geometrische und mehr gemischtlinige Schnitte vorstellen oder unterschiedliche Texturen verwenden, um Grafiken zu kreieren, die sich den Größen der zu verkleidenden Wand anpassen. Man kann es mit einer grafischen Karte vergleichen, die für die spezifischen Eigenschaften der jeweiligen Wand entsprechend ausgelegt wird.