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Design Forever, eine Hommage an zeitloses Design

Lesezeit: 8 Minuten

Salone del Mobile 2022: Marazzi im Interview mit Paolo Brambilla - 1
Studio Calvi Brambilla

Interview mit Studio Calvi Brambilla

Paolo Brambilla, der Mitbegründer des Architekturbüros Calvi Brambilla erzählt uns von der Ausstellung im Palazzo Bovara und den mit den Baustoffen der Architektur, insbesondere den Oberflächen von Marazzi, ausgeführten Arbeiten.

Design Forever ist eine Hommage an das 60-jährige Bestehen des Salone del Mobile: Alles begann am 24. September 1961, als eine Gruppe von Möbelhändlern ihre Idee einer Möbelausstellung umsetzte, die sich zu einer höchst erfolgreichen Fachmesse für die gesamte Inneneinrichtungsbranche entwickeln sollte. Die Ausgestaltung des Interior-Design-Projekts wurde dem namhaften Mailänder Innenarchitekturbüro anvertraut und stellt die Universalität und Zeitlosigkeit von gutem Design heraus.


Die Ausstellung von Elle Decor im Palazzo Bovara findet alljährlich statt, ist in diesem Jahr aber einem sehr speziellen Anlass gewidmet
Livia Peraldo Matton, die Direktorin von Elle Decor, hat uns in die Gestaltung des Ausstellungsprojekts Design Forever einbezogen, einer Hommage an die Geschichte der Fachmesse. Die Auswahl der Ausstellungsstücke ist wohlüberlegt: Wir wollten einen unkonventionellen Dialog zwischen den Meistern der Vergangenheit und vielen jungen Talenten aus dem In- und Ausland herstellen, die die Werte und Sprache des italienischen Designs zeitgemäß interpretieren.
Die Ausstellung umfasst eine Reihe von Ambiente mit Ausstellungstücken und -materialien, die wir in Zusammenarbeit mit den Unternehmen ausgewählt haben, wobei wir einen Vintage- oder Museumsstil vermeiden wollten. Gutes Design ist zeitlos: Das ist die Botschaft dieser Schau.


Wie sind Sie in den Räumen eines altehrwürdigen Gebäudes aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorgegangen?
Wir haben sie aufgewertet und gleichzeitig den absoluten Wert von Moderne unterstrichen. Auch in diesem Fall ist es ein offener Dialog, der keineswegs selbstverständliche Lösungen bietet.
Die Ausstellung beginnt mit einer von Fabio Calvi und mir entworfenen Installation und setzt sich dann mit einer interaktiven Installation fort, die vom Digital Art Studio Kokoschka Revival entwickelt wurde.
Es folgen weitere vier Räume, für die wir ebenso viele Einrichtungsprojekte mit provokatorischen Ansätzen entwickelt haben: Pure, Mobile, Bold und Hybrid. Hier finden sich die Keramikfliesen von Marazzi wieder, die an der Erzählung der ewigen Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft teilnehmen und eine persönliche Interpretation geben. Das erste Element, auf das man in der Ausstellung trifft, ist eine 12 mm starke Platte Puro Marazzi Antibacterial The Top in der neuen Version Travertino Classico, mit der die Rezeption verkleidet ist. Sie beinhaltet Technologien, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen, in diesem Fall die antibakterielle Wirkung der Oberfläche.


Ein guter Anfang, der zum eigentlichen Clou der Schau hinleitet …
Die Designelemente im Raum Bold haben ein organisches, mütterliches, fluides und behagliches Flair und das inmitten eines von Metall und anderen harten Materialien dominierten Ambiente. Für den Bodenbelag aus Feinsteinzeug fiel unsere Wahl auf Mystone Ceppo di Gré in zwei Farbstellungen – Greige und Grey – die sich in einem Muster aus gleichseitigen Dreiecken abwechseln.
Dieses Ambiente nimmt Bezug auf die Metallwände von Cini Boeri. Wir haben uns für den Ceppo di Gré entschieden, weil wir zu den ersten gehören, die ihn eingesetzt haben: Ein Gestein, das typisch für die Lombardei und für Mailand ist, es ist Ausdruck unserer Verbindung zu den Architektur- und Bautraditionen dieser Stadt.

Der vollkommen weiße Raum Pure enthält Designobjekte mit Primärformen und hat eine beeindruckende, fröhliche Wirkung. Die Wände sind mit einem fellartigen Material verkleidet, auch der Boden ist hell, aber glänzend. Hier wurde die Kollektion Grande Solid Color White verlegt, die Keramikelemente wurden individuell angepasst.
Dieser Raum nimmt Bezug auf die einfarbigen Häuser von Nanda Vigo aus den siebziger Jahren. Insbesondere ist es ein Verweis auf das Projekt Casa Bianca (weißes Haus), das seinerseits eine Weiterentwicklung einer Arbeit war, welche die Innenarchitektin für die Villa „Lo scarabeo sotto la foglia“ (der Pillendreher unter dem Blatt) des Sammlers Giobatta Meneguzzo nach einem Projekt von Gio Ponti ausgeführt hatte.


Das Konzept setzt sich damit auseinander, wie sich die Wohnkonzepte in den letzten Jahren verändert haben
Hybrid
ist der letzte Raum des Rundgangs; hier haben wir ein Ambiente inszeniert, in dem die unterschiedlichen Wohnfunktionen nicht deutlich unterschieden werden, sondern sich mischen: Arbeit, Erholung, Unterhaltung, Geselligkeit – alles in einer übergangslosen Lösung. Auch die hier gezeigten Designobjekte sind experimentelle und extreme Elemente, die sich den herkömmlichen Kategorien entziehen und offen für neue Interpretationen sind.
In diesem Raum wird ab einer gewissen Wandhöhe die Schönheit der Architektur des 18. Jh. mit ihren historischen Säulen und Dekoren sichtbar. Die Wände, die das Ausstellungsambiente umschließen, sind mit einer Boiserie aus Mauerziegeln aus kleinformatigem Feinsteinzeug (5x15 cm) in der Farbe Blu und mit leuchtender Oberfläche verkleidet. Es sind Fliesen aus der Kollektion Crogiolo Rice, deren unebene Textur einen typisch „handgefertigten Charakter“ nachahmt.
Die Arbeit mit einem Kleinformat hat einen gewissen provokatorischen Aspekt und steht im Kontrast zur Wirkung der historischen Stuckelemente des Palazzos.

Unsere Absicht war, experimentell mit den Materialien umzugehen, eine ungewöhnliche Botschaft zu vermitteln, die sich von dem, was man auf der Messe oder im Showroom findet, absetzt.